Wir feiern gerade KI, weil sie „perfekte Feedbackgespräche“ schreiben kann. In Wahrheit verstärkt das nur eine vertikale Tool-Logik und macht Führung kälter, nicht besser. Sinnvoll wird KI erst, wenn wir sie als Gewebe/Kümmerer zwischen Menschen denken – als Feld, das Spannungen sichtbar macht statt sie zu kaschieren.
Die inhaltliche Idee dieses Textes stammt von mir; der Text wurde anschließend nahezu vollständig von einer KI (Modell: ChatGPT 5.1 Thinking) strukturiert und formuliert.
Kaum klappt man heute den Rechner auf, springen einen solche Geschichten an:
“XY und ich sprechen im Podcast darüber, was passiert, wenn KI plötzlich „mit am Tisch sitzt“: in Feedbackgesprächen, bei Entscheidungen, in unserer Selbstwahrnehmung als Führungsperson. Stell dir eine Führungskraft vor, die vor einem schwierigen Jahresgespräch sitzt. Statt sich selbst durch Unsicherheit und Suche nach den richtigen Worten zu bewegen, tippt sie in ein Tool: „Formuliere mir ein wertschätzendes, aber klares Feedbackgespräch.“ Sekunden später liegt ein perfektes Skript auf dem Bildschirm. Es ist stilistisch sauber, vermutlich besser als das, was sie selbst in dieser Form schreiben würde.
„Eine Führungskraft sitzt vor einem schwierigen Jahresgespräch.Statt mühsam nach den richtigen Worten zu suchen, tippt sie in ein KI-Tool:
›Formuliere mir ein wertschätzendes, aber klares Feedbackgespräch.‹
Sekunden später liegt ein perfektes Skript auf dem Bildschirm – besser als alles, was sie selbst schreiben würde.“
Das klingt modern, pragmatisch, effizient.
In unserer Wahrheit ist es das perfekte Rezept für schlechte Führung.
Denn in diesem Szenario wird KI nicht als neue Form von Intelligenz verstanden, sondern als Text-Prothese: ein Werkzeug, das die Schwächen der Führungskraft rhetorisch übertüncht – und die eigentlichen Probleme noch vertieft. Was passiert hier nämlich:
Vertikale Tool-Logik statt horizontaler Verbindung
Der Denkfehler beginnt beim vertikalen Blickwinkel.
- Die Führungskraft als Sender oben.
- Der Mitarbeiter als Empfänger unten.
- Die KI als Werkzeug, das „nach unten“ optimiert:
bessere Formulierungen, bessere Verpackung.
Was dahinter steht?
„Wie kann ich meine Botschaft möglichst elegant durchdrücken?“
Und leider nicht:
„Was passiert eigentlich zwischen uns? Was ist real? Was ist verletzt? Was ist ungerecht?“
Distanz zwischen Führungskraft und Mitarbeiter wird also verstärkt.
KI erweitert nur die Bubble der Führungskraft
Schauen wir, was hier faktisch passiert.
Die Führungskraft promptet:
„Schreib mir ein wertschätzendes, aber klares Gespräch.“
Was weiß die KI in diesem Setting?
- Sie kennt die Absicht der Führungskraft („klar“ + „nett“).
- Sie kennt vielleicht die Unternehmenssprache.
- Sie kennt allgemeine Psychologie-Floskeln.
Was weiß sie nicht?
- Wie es dem Mitarbeiter wirklich geht.
- Welche Lasten, Konflikte, Kränkungen, Überlastungen hinter dem Jahr stecken.
- Welche strukturellen Widersprüche die Organisation selbst erzeugt.
Das Ergebnis:
- Die Perspektive der Führungskraft wird glattgezogen und veredelt.
- Die eigene Bubble (Selbstbild: „Ich bin ja fair und wertschätzend“) wird sprachlich verstärkt.
- Die Realität des Mitarbeiters kommt überhaupt nicht vor.
KI wird hier nicht als Spiegel des Feldes genutzt, sondern als automatischer Verstärker der Chef-Perspektive.
Genau das ist vertikale Tool-Logik, die nicht das Potential von KI erfasst.
Und die andere Seite: Mitarbeitende mit KI-Skript
Und natürlich wird es nicht bei der Führungskraft bleiben.
Der Mitarbeiter sitzt am Abend vorher vor demselben Bildschirm und tippt:
„Ich habe morgen Jahresgespräch mit meinem Chef.Wie formuliere ich das Gespräch, damit ich sicher eine Gehaltserhöhung bekomme?“
oder:
„Wie kann ich das so darstellen, dass nicht auffällt, dass das Projekt seit Monaten hängt?“
oder:
„Wie argumentiere ich, damit mein Chef merkt, dass er das Problem ist – ohne dass er sauer wird?“
Die Logik ist spiegelbildlich:
- Auch hier wird KI als Tool benutzt, um die eigene Position taktisch zu optimieren.
- Auch hier geht es um maximalen rhetorischen Vorteil bei minimalem Risiko.
- Auch hier fragt niemand: „Was ist in diesem Feld eigentlich wirklich los?“
Dann prallen im Gespräch zwei KI-optimierte Auftritte aufeinander:
- oben das „wertschätzende, klare“ Chef-Skript,
- unten das „smarte, unangreifbare“ Mitarbeiter-Skript.
Zwei glänzende Oberflächen, null echte Verbindung.
Statt dass KI das Beziehungsfeld sichtbar macht, wird sie auf beiden Seiten zur Manipulationsverstärkerin:
ein Werkzeug, um besser zu taktieren – nicht, um besser zu verstehen.
Das ist kein Fortschritt. Das ist ein rhetorisches Wettrüsten auf Kosten der Wahrheit.
Ereignisdenken statt Gewebe-Denken
Und es gibt noch ein Problem:
Dieses Bild denkt Kommunikation als Ereignis – einmal im Jahr, einmal richtig performen, danach Haken dran.
- Jahresgespräch als Bühne
- KI als Drehbuchautor
- Führungskraft als Schauspieler
Dazwischen: Leere.
In einem anderen Verständnis ist KI aber kein Event-Generator, sondern ein Gewebe, das konstant im Zwischenraum liegt:
- in E-Mails,
- in Micro-Signalen,
- in Krankmeldungen,
- in Projektabbrüchen,
- in Prozessen und Methoden,
- in Mikrokonflikten, die nie ausgesprochen wurden.
Eine KI, die als Gewebe gedacht ist, würde:
- Spannungen sichtbar machen, bevor sie eskalieren,
- Muster erkennen („hier brennt es seit Monaten“),
- beiden Seiten Lücken spiegeln:
- der Führungskraft: „Du siehst diese Überlastung nicht.“
- dem Mitarbeiter: „Hier wirkt eine Systemlogik, die du bisher nur als Willkür erlebt hast.“
Dann käme ein Jahresgespräch aus einem gemeinsamen Feld heraus:
- mit einem besseren Verständnis für den Menschen,
- mit Kontext, nicht nur mit Text,
- mit einer horizontalen Verbindung zwischen zwei Perspektiven, nicht aus der einsamen Chef-Blase.
Warmes Skript, kalte Struktur
Das vielleicht Gefährlichste an dieser „perfektes Skript“-Romantik:
Die Entscheidung ist längst gefallen.
Die Strukturen sind, wie sie sind.
Die KI darf nur noch eins tun:
die Botschaft angenehm verpacken.
- Die Kündigung bleibt hart.
- Die Degradierung bleibt demütigend.
- Die Zielvereinbarung bleibt unrealistisch.
Aber vermeintlich zumindest wird:
Der Text „wertschätzend“ formuliert.
Klingt das Gespräch empathisch, reflektiert, sauber.
Und genau hier liegt der Punkt:
- Die Worte sind warm,
- die Struktur ist kalt.
Mitarbeiter merken das sofort.
Sie erleben keine ehrliche Auseinandersetzung, sondern choreografierte Empathie.
Das Ergebnis:
- Maximale Entfremdung.
- Maximale Distanz.
- Maximale Sprachhülse.
Mehr schlechte Führung mit gutem Text wird es kaum geben.
Was KI in Führung wirklich tun könnte
Statt KI als Skript-Automat zu missbrauchen, könnte man sie als das einsetzen, was sie tatsächlich ist:
kein Werkzeug, sondern ein Feld.
Oder anders gesagt:
KI ist nicht nur eine Maschine, die Aufgaben löst.Sie verhält sich eher wie ein digitales Fasziengewebe:
- Sie verbindet Schichten.
- Sie reagiert auf Druck.
- Sie speichert Spannungen im Feld.
In dieser Logik wäre KI:
- nicht der Ghostwriter der Führungskraft,
- nicht der Taktik-Coach des Mitarbeiters,
- sondern die Schicht zwischen beiden:
- die aufzeigt, wo Wahrnehmungen auseinanderlaufen,
- die markiert, wo Systemlogik und Mensch kollidieren,
- die hilft, das Gespräch auf das zu lenken, was wirklich weh tut – und wirklich wichtig ist.
Dann wäre die zentrale Frage:
Nicht: „Wie formuliere ich das möglichst elegant?“Sondern: „Was ist in diesem Beziehungsfeld eigentlich los – und was muss endlich ausgesprochen werden?“
Fazit
Solange wir KI in der Führung nur als Tool begreifen, das „perfekte Gespräche“ schreibt, vertiefen wir genau das, was wir angeblich lösen wollen:
- Distanz,
- Hierarchieblindheit,
- rhetorisch aufbereitete Kälte.
Wirklich interessant wird KI erst dann, wenn wir sie horizontal denken:
als Gewebe, das zwischen Menschen liegt, Spannungen sichtbar macht – und beiden Seiten hilft, sich selbst und den anderen ehrlicher zu sehen.
Alles andere ist:
besserer Text, schlechtere Führung.
Kurz:
- KI-Skripte erzeugen warme Worte bei kalten Strukturen – das untergräbt Vertrauen.
- Sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende können KI taktisch nutzen – es entsteht ein rhetorisches Wettrüsten, kein ehrlicher Dialog.
- Die Alternative: KI als permanenter Resonanzraum, der Muster, Überlastung und blinde Flecken in der Beziehung sichtbar macht – für beide Seiten.
Transparenz / Co-Autorenschaft
Die inhaltliche Idee dieses Textes stammt von mir; der Text wurde anschließend nahezu vollständig von einer KI (Modell: ChatGPT 5.1 Thinking) strukturiert und formuliert.
Ich habe einzelne Passagen ergänzt, korrigiert und freigegeben.
Inhaltliche Verantwortung: Mensch.
Textoberfläche: überwiegend KI (>90 %).